Beschreibung von Wasserrohrkesseln, einschließlich ihrer Funktionsweise, Typen und Vorteile; außerdem ein kurzer Überblick über ihre Anwendung bei der kombinierten Wärme- und Stromerzeugung.
Wasserrohrkessel unterscheiden sich von Großwasserraumkesseln dahingehend, dass das Wasser in den Rohren zirkuliert und diese von einer Heizquelle umgeben sind. Im Hinblick auf die Gleichung für die Ringspannung (Gleichung 3.2.1) ist leicht zu erkennen, dass für die gleiche Spannung viel höhere Drücke zugelassen werden können, da die Rohrdurchmesser wesentlich kleiner sind.
Wasserrohrkessel werden für Kraftwerksanwendungen eingesetzt, welche folgende Anforderungen haben:
Es werden aber auch Wasserrohrkessel hergestellt, welche in Konkurrenz zu Großwasserraumkesseln stehen.
Kleine Wasserrohrkessel können ähnlich wie Anlagen mit Großwasserraumkessel auch in Form einer kompletten Einheit gefertigt und zusammengebaut werden, wohingegen große Apparate normalerweise in Teilstücken für einen Zusammenbau am Aufstellungsort hergestellt werden.
Viele Wasserrohrkessel arbeiten nach dem Prinzip des Naturumlaufs von Wasser (auch als „Thermosiphonsystem“ bekannt). Es lohnt sich, dieses Thema zu vertiefen, bevor man die unterschiedliche Arten von Wasserrohrkesseln betrachtet. Abbildung 3.3.2 hilft dabei, das Prinzip zu erklären:
Wenn der Druck im Wasserrohrkessel jedoch erhöht wird, dann nimmt der Unterschied zwischen der Dichte des Wassers und des Sattdampfs ab, und damit kommt es zu einer geringeren Zirkulation. Um die gleiche Dampfleistung bei einem höheren Auslegungsdruck zu erzielen, muss der Abstand zwischen der Untertrommel und der Dampftrommel vergrößert oder eine Form des Zwangsumlaufs eingesetzt werden.
Sektionen eines Wasserrohrkessel
Die Energie der Heizquelle kann entweder über Wärmestrahlung oder Wärmekonvektion und -leitung übertragen werden.
Der Brennkammer- oder Strahlungsabschnitt
Dies ist ein Raum, welcher die Flamme(n) des/der Brenner(s) aufnimmt. Wenn man zulassen würde, dass die Flammen in direkten Kontakt mit den Kesselrohren kommen, käme es zu erheblicher Korrosion und letztendlich zum Ausfall der Rohre.
Die Wände des Brennkammerabschnitts sind mit Rippenrohren ausgekleidet, welche so gestaltet sind, dass sie die Wärmestrahlung der Flamme aufnehmen können.
Dieser Bereich ist so gestaltet, dass er die Wärme der heißen Gase über Konvektion und Wärmeleitung aufnimmt.
Größere Kessel können auch mehrere Rohrregister in Reihe aufweisen, um aus den heißen Gasen die maximale Energiemenge zu gewinnen.
Bezeichnungen von Wasserrohrkesseln
Wasserrohrkessel werden normalerweise auf Grund bestimmter Eigenschaften klassifiziert (siehe Tabelle 3.3.1).
Tabelle 3.3.1 Klassifizierung von Wasserrohrkesseln
| Lage der Vorratstrommel | Zum Beispiel Längs- oder Quertrommel |
| Wasserzirkulation | Zum Beispiel Natur- oder Zwangsumlauf |
| Anzahl der Trommel | Zum Beispiel zwei oder drei |
| Leistung | Zum Beispiel 25.500 kg/h, 7 kg/s, 55.000 lb/h |
Die folgenden Ausführungen arbeiten nach demselben Prinzip wie die anderen Wasserrohrkessel und es gibt sie mit Leistungen von 5 000 kg/h bis 180 000 kg/h.
Längstrommelkessel
Der Längstrommelkessel war der ursprüngliche Typ von Wasserrohrkessel, der nach dem Thermosiphon-Prinzip arbeitete (siehe Abbildung 3.3.5).
Das Speisewasser wird in eine Trommel geleitet, welche sich in Längsrichtung über der Heizquelle befindet. Das kalte Wasser strömt über den hinteren Umlaufsammler nach unten in mehrere schräge, beheizte Rohre. Da die Wassertemperatur beim Durchströmen der schrägen Rohre ansteigt, beginnt das Wasser zu sieden und seine Dichte nimmt ab. Daher strömen Heißwasser und Dampf in den schrägen Rohren nach oben in den vorderen Umlaufsammler, der zurück in die Trommel führt. In der Trommel trennen sich die Dampfblasen vom Wasser und der Dampf kann abgezogen werden.
Typische Leistungsbereiche für Längstrommelkessel reichen von 2 250 kg/h bis 36 000 kg/h.
Der Quertrommelkessel ist dahingehend eine Variante des Längstrommelkessels, dass die Trommel quer zur Heizquelle angeordnet ist, wie in Abbildung 3.3.6 dargestellt. Die Quertrommel arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die Längstrommel, außer dass eine gleichmäßige Temperatur über die Trommel erreicht wird. Es besteht jedoch das Risiko, dass es zu einer falsch gerichteten Zirkulation bei hohen Dampfleistungen kommen kann; wenn die oberen Rohre dabei trocken laufen, können sie überhitzen und eventuell ausfallen.
Der Quertrommelkessel hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass er durch die versetze Anordnung eine größere Anzahl an ansteigenden Rohren aufnehmen kann.
Typische Leistungsbereiche für einen Quertrommelkessel reichen von 700 kg/h bis 240 000 kg/h.
Eine weitere Entwicklung der Wasserrohrkessel ist der Eckrohr- oder Stirlingkessel, welcher in Abbildung 3.3.7 dargestellt ist. Auch dieser arbeitet nach dem Naturgesetz von Temperatur und Dichte des Wassers, aber nutzt vier Trommeln in folgender Anordnung.
Kaltes Speisewasser tritt in die rechte, obere Trommel ein, von wo es auf Grund der größeren Dichte nach unten in die Unter- oder Wassertrommel strömt. Das Wasser in der Wassertrommel und die Verbindungsleitungen zu den beiden oberen Trommeln werden beheizt, und die erzeugten Dampfblasen steigen zu den oberen Trommeln auf, aus denen der Dampf dann abgezogen wird.
Der Eckrohr- oder Stirlingkessel ermöglicht eine größere Wärmeübertragungsfläche und begünstigt auch den Naturumlauf des Wassers.
Vorteile von Wasserrohrkesseln:
Nachteile von Wasserrohrkesseln:
Die oben beschriebenen Wasserrohrkessel sind normalerweise für große Leistungen gedacht. Kleinere, spezielle Abhitzekessel in Verbindung mit landgestützen Gasturbinenanlagen werden jedoch immer gefragter.
Dabei werden verschiedene Dampfzustände verwendet, um landgestützte Gasturbinenanlagen anzutreiben: