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Das Kesselhaus

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Der Speisewassertank und die Speisewasserkonditionierung

Die Bedeutung des Speisewassertanks, in dem Kesselspeisewasser und Frischwasser gespeichert und in den Kondensat zurückgeführt wird, wird oft unterschätzt. Die meisten Anlagenteile im Kesselhaus sind redundant ausgeführt, aber es ist selten, dass zwei Speisewassertanks vorhanden sind und dieses entscheidende Element ist oft das letzte, das bei der Planung berücksichtigt wird.

Der Speisewassertank ist der wichtigste Sammelpunkt von kaltem Frischwasser und zurückgeführtem Kondensat. Am besten ist es, wenn beide zusammen mit dem Nachdampf aus dem Absalzsystem 
durch weit unter der Wasseroberfläche installierte Sprühlanzen in den Speisewassertank strömen. Die Sprühlanzen sollten aus Edelstahl gefertigt und ausreichend abgestützt sein.

Betriebstemperatur

Es ist wichtig, dass das Wasser im Speisewassertank auf einer ausreichend hohen Temperatur gehalten wird, um den Gehalt an gelöstem Sauerstoff und anderen Gasen zu minimieren. Der Zusammenhang zwischen der Wassertemperatur und dem Sauerstoffgehalt in einem Speisewassertank ist in Abbildung 3.11.1 zu sehen.

Wenn ein hoher Anteil an Zusatzwasser verwendet wird, kann eine Erwärmung des Speisewassers die Menge der benötigten sauerstoffbindenden Chemikalien erheblich reduzieren.

Beispiel 3.11.1
Kosteneinsparungen auf Grund der Reduzierung des im Speisewasser gelösten Sauerstoffs durch Erwärmung. Ausgangsdaten für die Berechnung:

  • Die normale Dosierrate für Natriumsulfit beträgt 8 ppm pro 1 ppm gelöstem Sauerstoff.
  • Es ist üblich, zusätzliche 4 ppm hinzuzufügen, um eine Reserve im Kessel zu erzeugen.
  • Typische flüssig katalysierte Natriumsulfite enthalten nur 30% Natriumsulfit.
  • Die Kosten für Natriumsulfit betragen €2,25/Liter

Für dieses Beispiel

Berechnung 1

Berechnung 2

 

Jährliche Kosteneinsparung

 

Natürlich sind Kosten für die Beheizung des Speisewassertank angefallen, aber da die Wassertemperatur im Kessel um den gleichen Wert erhöht wurde, handelt es sich nicht um zusätzliche Energie, sondern nur um die gleiche Energie, die an einer anderen Stelle verbraucht wird.

Der einzige echte Verlust ist die zusätzliche Wärme, die vom Speisewassertank selbst abgegeben wird. Bei entsprechend guter Isolierung des Speisewassertanks ist dieser zusätzliche Wärmeverlust nahezu unerheblich.

Eine wichtige zusätzliche Einsparung ist die Reduzierung der dem Kesselspeisewasser zugeführten Natriumsulfitmenge. Dadurch wird die erforderlichen Abschlammmenge verringert und diese Einsparung wird den geringen zusätzlichen Wärmeverlust aus den Speisewassertank mehr als ausgleichen. 

 

Vermeidung von Schäden am Kessel selbst

Der Kessel erfährt einen Temperaturschock, wenn kaltes Wasser an die heißen Oberflächen der Kesselwand und seine Rohre eingeleitet wird. Heißeres Speisewasser bedeutet eine geringere Temperaturdifferenz und ein geringeres Risiko für eine Temperaturschock.

 

Aufrechterhaltung der Auslegungsleistung

Je niedriger die Kesselspeisewassertemperatur ist, desto mehr Wärme wird im Kessel benötigt, um Dampf zu erzeugen. Es ist wichtig, die Speisewassertanktemperatur so hoch wie möglich zu halten, um die erforderliche Kesselleistung zu erreichen

Kavitation der Kesselspeisepumpe 

Achtung: Sehr hohe Kondensatrückführraten (typischerweise über 80%) können zu einer zu hohen Speisewassertemperatur und Kavitation in der Speisepumpe führen.

Wenn Wasser nahe dem Siedepunkt in eine Pumpe eintritt, kann dies im Niederdruckbereich im Zentrum des Pumpenlaufrades zu Dampfbildung führen. In diesem Fall bilden sich Dampfblasen, wenn der Druck unter den des Wasserdampfs fällt. Wenn der Druck wieder ansteigt, kollabieren diese Blasen und Wasser strömt mit sehr hoher Geschwindigkeit in den entstehenden Hohlraum.

Dies wird als “Kavitation“ bezeichnet; sie ist mit lauten Geräuschen verbunden und kann die Pumpe ernsthaft beschädigen.

Um dieses Problem zu vermeiden, ist es wichtig, der Pumpe die bestmöglichen Nettozulaufhöhe (Net Positive Suction Head NPSH) zur Verfügung zu stellen, damit der statische Druck so hoch wie möglich ist. Dies wird in erheblichem Maß dadurch unterstützt, indem der Speisewassertank so hoch wie möglich über dem Kessel platziert und die Saugleitung zur Förderpumpe großzügig dimensioniert wird (Abbildung 3.11.2).

 

Gestaltung des Speisewassertanks

Der Speisewassertank (Abbildung 3.11.3) kann die Funktionsweise des gesamten Kesselhauses auf verschiedene Weise beeinflussen. Durch eine sorgfältige Gestaltung des Speisewassertanks und der zugehörigen Systeme können erhebliche Einsparungen bei Energieverbrauch und Wasseraufbereitungschemikalien, bei gleichzeitig erhöhter Betriebssicherheit, erzielt werden.

Während zylindrische Speisewasserbehälter, sowohl vertikale als auch horizontale, in anderen Teilen der Welt nicht ungewöhnlich sind, wird die rechteckige Form in Großbritannien am häufigsten verwendet. Diese liefert in der Regel das maximale Volumen für den Wasserspeicher im Verhältnis zur belegten Grundfläche.

Werkstoffe für Speisewassertanks:

  • Gusseisen - Gusseiserne Behälter werden in der Regel aus rechteckigen Profilen zusammengesetzt:
    - Probleme entstehen oft durch Undichtigkeiten an den Profilverbindungen und sie sind korrosionsanfällig.
  • Unlegierter Stahl - Wahrscheinlich der gebräuchlichste Werkstoff für Speisewassertanks:
    - Unbeschichtet ist er ein relativ kostengünstiger Werkstoff, der jedoch extrem korrosionsanfällig ist. Dieser Nachteil kann durch das Aufbringen geeigneter Beschichtungen der Oberfläche verbessert werden, aber die Kosten können höher sein als die Kosten des Tanks, zumal die Beschichtung auch einer regelmäßigen Wartung bedarf.
  • Kunststoff - Dieser Werkstoff ist normalerweise auf Grund der hohen Kosten für ein Material das den relativ hohen Temperaturen standhält nicht für Speisewassertanks geeignet. Kunststoff ist jedoch ein geeigneter Werkstoff für den kalten Frischwassertank.
  • Austenitischer Edelstahl - Die erhöhte Lebensdauer eines fachgerecht gefertigten Speisewassertanks aus diesem Material wird die höheren Anschaffungskosten in jedem Fall rechtfertigen. Der Werkstoff 1.4307 wird im Allgemeinen als die am besten geeignete Edelstahlsorte angesehen.

Fassungsvermögen des Speisewassertanks

Der Speisewassertank sorgt für eine Wasserreserve, um eine Unterbrechung der Fischwasserversorgung abzudecken. Es ist üblich, einen Speisewassertank mit ausreichender Kapazität zu verwenden, der eine Stunde Dampferzeugung bei maximaler Kesselleistung ermöglicht. Für größere Anlagen kann dies unpraktikabel sein und eine Alternative wäre ein kleinerer Warmwasserbehälter mit zusätzlichem Kaltwasserspeicher. Er sollte auch über eine ausreichende Kapazität über dem normalen Arbeitsniveau verfügen, um eventuelle Schwankungen der Kondensatrückführung auszugleichen. Diese Kapazität wird auch als „Kopfraum“ bezeichnet.

Beim Anfahren kann es zu einer hohen Kondensatrückführmenge kommen, wenn in der Anlage und in den Rohrleitungen vorhandenes Kondensat plötzlich in den Tank zurückgeführt wird und von wo es über den Überlauf verloren gehen kann. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, das Kondensatrückführsystem zu überprüfen, die Rücklaufmenge zu kontrollieren und Verluste zu vermeiden.

Konstruktion des Speisewassertanks

Die folgenden Hinweise können bei der Konstruktion eines Speisewassertanks nützlich sein:

  • Versteifungen - Der Tank sollte vollständig verschweißt sein und es ist sehr wichtig, ausreichende Versteifungen der Tankseiten und des Deckels vorzusehen und den Boden ausreichend abzustützen. Andernfalls kommt es zu starken Durchbiegungen und vorzeitigem Ausfall.
  • Leitungsanschlüsse - Alle Flanschanschlüsse sollten zur besseren Isolierung einen Abstand von mindestens 150 mm aufweisen. Alle Schraubanschlüsse sollten mindesten 20 mm Abstand haben.
  • Hebeösen - Es ist wichtig, Hebeösen zu montieren, um eine sichere und einfache Installation zu ermöglichen.

Verrohrung des Speisewassertanks

Kondensatrückführung

Bei der Dampferzeugung verdampft das Wasser im Kessel und wird durch Speisewasser, das in den Kessel gepumpt wird, ersetzt.

Wenn der Dampf durch das System der verschieden dampfnutzenden Anlagenteile strömt, ändert sich sein Aggregatzustand wieder zurück zu Kondensat, welches im Grunde qualitativ hochwertiges Warmwasser darstellt.

Sofern keine Kontamination zu erwarten ist (möglicherweise prozessbedingt), ist dieses Kondensat das ideale Kesselspeisewasser. Es ist daher wirtschaftlich sinnvoll, so viel wie möglich zur Wiederverwendung zurückzuführen. In der Realität ist es fast unmöglich, das gesamte Kondensat zurückzuführen; für Anwendungen wie Befeuchtung und Dampfeinspritzung wurde möglicherweise etwas Dampf direkt in den Prozess eingeleitet und in der Regel entstehen Wasserverluste im Kessel selbst, z.B. durch Abschlammung. Daher muss Frischwasser (chemisch aufbereitet) in das System nachgespeist werden, um das richtige Betriebsniveau aufrecht zu erhalten.

Die Kondensatrückführung birgt ein enormes Potenzial zur Energieeinsparung im Kesselhaus. Kondensat hat einen hohen Wärmeinhalt und pro 6 °C Temperaturanstieg im Speisewassertank wird ca. 1% weniger Brennstoff benötigt.

Abbildung 3.11.5(a) zeigt die Dampferzeugung bei 10 bar ü, wenn der Kessel mit kaltem Speisewasser von 10 °C versorgt wird. Der Abschnitt am unteren Ende des Diagramms stellt die im Speisewasser verfügbare Enthalpie (42 kJ/kg) dar. Weitere 740 kJ/kg Wärmeenergie müssen dem Wasser im Kessel zugeführt werden, bevor die Sättigungstemperatur bei 10 bar ü erreicht wird. 

Abbildung 3.11.5(b) zeigt erneut die Dampferzeugung bei 10 bar ü, aber diesmal wird der Kessel mit auf 70 °C erwärmtem Speisewasser versorgt, indem mehr Kondensat zurückgeführt wird.

Durch die erhöhte Enthalpie im Speisewasser muss der Kessel nur noch 489 kJ/kg Wärmeenergie zuführen, um es auf eine Sättigungstemperatur bei 10 bar ü zu bringen. Dies entspricht einer Einsparung von 9,2% der Energie, die benötigt wird, um bei gleichem Druck Dampf zu erzeugen.

Das zurückgeführte Kondensat ist nahezu reines Wasser und spart nicht nur Wasserkosten, sondern auch Chemikalien zur Wasseraufbereitung, was wiederum die mit der Abschlammung verbundenen Verluste reduziert.

Wenn druckbeaufschlagtes Kondensat zurückgeführt wird, wird im Speisewassertank Nachdampf freigesetzt. Dieser Nachdampf muss kondensieren, um sicherzustellen, dass sowohl die Wärme als auch der Wasseranteil zurückgeführt werden. Bei der traditionellen Methode wurde der Nachdampf über Sprühlanzen in den Speisewassertank eingeführt, aber das modernere und effektivere Verfahren ist jedoch der Einsatz eines Entgaserdoms, der den Nachdampf kondensiert und in dem das kalte Frischwasser, der Kondensatrücklauf und der Nachdampf gemischt werden (siehe Abbildung 3.11.6). 

 

Nachdampf aus Wärmerückgewinnungssystemen

Ein Wärmerückgewinnungssystem kann beispielsweise Nachdampf aus der Abschlammung des Kessels zurückgewinnen. Dies ist eine weitere Möglichkeit, die rückgewonnene Wärme zu nutzen, um die Temperatur im Speisewassertank zu erhöhen und so Brennstoff zu sparen.

Wie bei druckbeaufschlagtem Kondensat muss der Nachdampf kondensiert werden. Traditionell wurde dies mit Hilfe von Sprühlanzen erreicht, aber eine moderne und viel effektivere Methode ist ein Entgaserdom in dem der Nachdampf kondensiert.

 

Frischwasser

Dies ist kaltes Wasser aus der Wasseraufbereitungsanlage, das die Verluste im System ausgleicht.

Viele Wasseraufbereitungsanlagen benötigen einen erheblichen Durchsatz, um eine optimale Leistung zu erzielen. Ein “tröpfelnder“ Durchsatz durch eine modulierende Regelung in den Speisewassertank kann sich beispielsweise negativ auf die Leistung eines Enthärters auswirken. Aus diesem Grund wird oft ein kleiner Kaltwassertank aus Kunststoff oder verzinktem Stahl eingesetzt. Der Durchsatz aus der Wasserenthärtungsanlage wird über “Auf/Zu“ in den Frischwassertank geregelt. Von dort aus steuert ein modulierendes Ventil den Durchsatz in den Speisewassertank.

Diese Art der Installation führt zu einem “reibungsloseren“ Betrieb der Kesselanlage. Um zu vermeiden, dass das relativ kalte Frischwasser direkt auf den Boden des Tanks sinkt (wo es direkt in die Kesselspeisewasserleitung gesaugt wird) und eine gleichmäßige Temperaturverteilung zu gewährleisten, ist es üblich, das Frischwasser auf einem höheren Niveau in den Speisewassertank einzuleiten.

 

Dampfeinspritzung

Wie bereits erwähnt, gibt es erhebliche Vorteile, wenn man den Inhalt des Speisewassertanks auf einer hohen Temperatur hält. Eine der geeignetsten Möglichkeiten, diese höhere Temperatur zu erreichen, ist die Einspritzung von Dampf in den Speisewassertank.

 

Entlüftung

Der Speisewassertank muss entlüftet werden, um einen Druckaufbau zu vermeiden. Als Orientierungshilfe sollte die Entlüftung von DN80 bei einem 2.000-Liter-Tank bis DN250 bei einem 30.000-Liter-Tank reichen Die Entlüftung sollte mit einer Wrasenabzugshaube ausgestattet sein, die über interne Prallbleche verfügt, um das mitgeführte Wasser vom Dampf zu trennen und über einen Entwässerungsanschluss abzuleiten.

 

Überlauf

Dieser sollte mit einem U-Rohr-Siphon versehen sein, um Nachdampfverluste zu vermeiden.

 

Anschluss der Speisepumpe

Wenn die Entnahme vom Boden des Speisewassertanks erfolgt, sollte ein 50 mm langer Innenstutzen vorhanden sein, um zu verhindern, dass Schmutz vom Boden des Tanks in die Rohrleitung gelangt. Dieser sollte großzügig bemessen sein, um Reibungsverluste zu minimieren und die Nettozulaufhöhe (NPSH) zur Förderpumpe zu maximieren.

 

Entleerung

Im Boden des Speisewassertanks sollte ein Ablaufstutzen angebracht werden, um dessen Entleerung zur Inspektion zu erleichtern.

 

Isolierung

Der Speisewassertank sollte ausreichend isoliert sein, um Wärmeverluste zu vermeiden. Für die Auswahl des richtigen Materials und der richtigen wirtschaftlichen Dicke ist der Rat eines renommierten Isolierspezialisten einzuholen.

 

Inspektionsöffnung

Es sollte eine ausreichend dimensionierte Inspektionsöffnung vorgesehen werden, die eine Innenrevision und gegebenenfalls den Einbau von Zubehör ermöglicht.

 

Wasserstandsregelung

Früher wurden Schwimmschaltungen für diese Aufgabe verwendet. Moderne Regelungen verwenden Niveausonden, die ein Ausgangssignal zur Modulation eines Regelventils liefern. Diese Art von System erfordert nicht nur weniger Wartung, sondern kann mit Hilfe eines geeigneten Reglers auch Füllstandsalarme und Fernanzeigegeräte in einer einzige Sonde integrieren.

Niveausonden können so angeordnet werden, dass sie Hochwasserstand, den normalen Betriebs- (oder Regel-) Wasserstand und Niedrigwasserstand anzeigen. Die Signale der Sonde können dann an ein Regelventil in der Kaltwassernachspeisung weitergeleitet werden. Die Sonde ist mit einem Schutzrohr im Inneren des Speisewassertanks ausgestattet, um sie vor Turbulenzen zu schützen, die zu Fehlmessungen führen können.

 

Wasserstandsanzeiger

Es wird eine lokale Füllstandsanzeige oder ein Wasserstandsanzeiger am Speisewassertank empfohlen, die es ermöglicht, die Füllmenge zu kontrollieren und Niveausonden in Betrieb zu nehmen.

 

Temperaturanzeige

Dies kann ein lokale oder Fernanzeige sein.

Entgaser


Druckloser Entgaserdom 

Die Mischeinheit des Entgaserdoms führt alle ankommenden Ströme zusammen. Sie mischt das sauerstoffreiche Kaltwasser mit Nachdampf aus dem Kondensat und der Wärmerückgewinnung der Abschlammung. Sauerstoff und andere Gase werden aus dem Kaltwasser gelöst und können automatisch über eine Entlüftung entfernt werden, bevor das Wasser in den Speisewassertank gelangt.

Der Entgaserdom vermindert die Dampfmenge, die normalerweise unter Betriebsbedingungen aus dem Tank austreten würde, erheblich. Aus diesem Grund benötigen richtig konstruierte atmosphärische Entgaser mit Entgaserdom weniger Entlüftungskapazität als normale Tanks mit einem belüftetem Deckel. Normalerweise variieren die Entlüftungsgrößen an einem atmosphärischen Entgaser zwischen DN80 bei einem 2000-Liter-Tank bis DN250 bei einem 30 000-Liter-Tank.

Druckbeaufschlagte Entgaser

Bei größeren Kesselanlagen werden teilweise druckbeaufschlagte Entgaser installiert und es wird Frischdampf verwendet, um das Speisewasser auf ca. 105 °C zu bringen, damit der Sauerstoff ausgetrieben wird. Druckentgaser sind in der Regel thermisch effizient und reduzieren den gelösten Sauerstoff auf ein sehr niedriges Niveau.

 

Druckbeaufschlagte Entgaser:

  • Müssen mit Regel- und Sicherheitseinrichtungen ausgestattet sein.
  • Sind als Druckbehälter eingestuft und erfordern eine regelmäßige, offizielle Überprüfung.

Das bedeutet, dass Druckentgaser kostenintensiv und nur in sehr großen Kesselhäusern gerechtfertigt sind. Wenn ein Druckentgaser in Betracht gezogen werden soll, muss sein Teillastverhalten (oder sein effektiver Arbeitsbereich) berücksichtigt werden.

Eine detaillierte Behandlung von druckbeaufschlagten Entgasern ist in Modul 21 dieses Blocks enthalten.

 

Konditionierung 

Dies ist ein zusätzliches Verfahren, welches die externe Aufbereitung ergänzt (z.B. den Basenaustauscher) und bei dem in der Regel eine dosierte Zugabe von Chemikalien entweder in den Speisewassertank oder in die Speisewasserleitung vor dem Eintritt in den Kessel erfolgt.

Die erforderliche chemische Konditionierung hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • Den im Frischwasser enthaltenen Verunreinigungen und dessen Härte.
  • Der zur Wiederverwendung zurückgeführte Kondensatmenge und seine Qualität in Bezug auf pH-Wert, Gesamtsalzgehalt und Härte.
  • Der Auslegung des Kessels und seinen Betriebsbedingungen.

Die Entscheidung über die Art des Chemikalienzusammensetzung und des Wasseraufbereitungssystems ist Sache eines qualifizierten Wasseraufbereitungsspezialisten, der immer konsultiert werden sollte. Ziel der Konditionierung ist es, die Aufbereitung des Rohwassers nach der Verarbeitung durch die Hauptwasseraufbereitungsanlage so weit wie möglich zu optimieren. Sie gewährleistet eine gewisse Qualität, da es zwangsläufig einige Verunreinigungen geben wird, die einen Weg durch die Hauptaufbereitung finden werden. Die Ziele der Wasserkonditionierung sind

  • Vermeidung von Kesselsteinbildung auf Grund niedriger Resthärtewerte, die durch die Aufbereitung gelangt sind.
    Hierfür wird in der Regel Natriumphosphat verwendet, welches bewirkt, dass die Härte am Boden des Kessels ausfällt, wo sie abgeschlammt werden kann.
  • Andere spezifische Verunreinigungen zu behandeln. Dabei handelt es sich je nach Anwendung um unterschiedliche Stoffe.
  • Das richtige chemische Gleichgewicht im Kesselwasser aufrechtzuerhalten - um Korrosion zu vermeiden, muss es etwas alkalisch und nicht sauer sein. Typischerweise wird eine 1%ige Laugenlösung verwendet, um einen Ziel-pH-Wert zwischen 9 und 11 zu erreichen. British Standard BS 2486 empfiehlt einen pH-Wert von 10,5 - 12,0 für Großwasserraumkessel bei 10 bar, ein pH-Wert von 9 sollte nur in Hochdruckkesseln verwendet werden.
  • Behandlung von Schwebstoffen. Dabei handelt es sich um ein Flockungs- oder Koagulationsmittel, das dazu führt, dass die Schwebstoffe agglomerieren und auf den Boden des Kessels sinken, von wo sie abgeschlammt werden können.
  • Schutz vor Schaumbildung.
  • Reste gelöster Gase zu entfernen. Dies sind in erster Linie Sauerstoff und Kohlendioxid und das Vorhandensein dieser gelösten Gase in der Kesselanlage und im System verursacht Korrosion. Daher ist es notwendig, diese zu entfernen und/oder zu neutralisieren, um Schäden zu vermeiden.

 

Kohlendioxid

Gelöstes Kohlendioxid ist oft in Form von Kohlensäure im Speisewasser vorhanden, wodurch der pH-Wert sinkt. Eine korrekte pH-Wert Überwachung korrigiert dies, aber Kohlendioxid wird auch in Kesseln durch die Erwärmung von Carbonaten und Bikarbonaten freigesetzt. Diese zerfallen unter Freisetzung von Kohlendioxid in Natronlauge. Dies muss durch die Verwendung eines Kondensat-Korrosionsinhibitors behandelt werden, um einen korrosiven Angriff des Kondensatsystem zu verhindern.

 

Sauerstoff

Das schädlichste der gelösten Gase ist Sauerstoff, der zu Lochfraß von Metall führen kann. Bereits sehr geringe Mengen an Sauerstoff können schwere Schäden verursachen. Er kann entweder mechanisch oder chemisch entfernt werden. Die Menge an gelöstem Sauerstoff ist von der Temperatur des Speisewassers abhängig; je niedriger die Speisewassertemperatur, desto größer ist das Volumen an gelöstem Sauerstoff.

Der verbleibende Restsauerstoff wird dann durch Zugabe eines chemischen Sauerstoffbinders, wie beispielsweise katalysiertem Natriumsulfit, behandelt.

8 ppm Natriumsulfit reichen aus, um mit 1 ppm gelöstem Sauerstoff zurecht zu kommen. Es ist jedoch üblich, zusätzliche (oder als “Reserve“) 4 ppm Natriumsulfit hinzuzufügen, weil:

  • Eine erhebliche Gefahr von korrosiven Schäden besteht.
  • Das chemische Dosiersystem ist in der Regel ein “offener Kreislauf“, bei dem in Abständen Wasserproben entnommen und die Dosierrate angepasst werden.
  • Es Bedenken hinsichtlich der vollständigen Dispersion der Chemikalie, möglicherweise aufgrund der Art der Injektion, der Zirkulationsströme oder der Schichtung im Speisewassertank, gibt.

Die Gesamtdosierrate beträgt daher 8 ppm Natriumsulfit pro 1 ppm gelöstem Sauerstoff plus 4 ppm.

Andere Sauerstoffbinder beinhalten organische Verbindungen oder Hydrazin. Letzteres gilt jedoch als krebserregend und wird im Allgemeinen nicht in Nieder- und Mitteldruckanlagen eingesetzt.

Andere “interne Aufbereitungen“ zum Schutz des Kessels und des Kondensatsystems können Folgendes umfassen:

  • Neutralisierende Amine - Diese haben eine neutralisierende Wirkung auf die Säure, die durch die Lösung von Kohlendioxid im Kondensat entsteht.
  • Film bildende Amine - Diese bilden einen ölanziehenden, wasserabweisenden Film auf Metalloberflächen, der sowohl gegen Kohlendioxid als auch gegen Sauerstoff beständig ist.

Weitere Informationen zu diesem komplizierten Thema erhalten Sie in Handbüchern über Wasseraufbereitung und bei Fachleuten für Wasseraufbereitung; dies ist vorrangig eine Angelegenheit für kompetente Beratung und professionelle Analyse.

Es gibt jedoch ein oder zwei Bereiche, die einer weiteren Erklärung bedürfen:

  • Die Kesselwasseraufbereitungsverfahren zielt darauf ab, kesselsteinbildende Salze in weiche oder leichtflüssige Schlämme zu verwandeln. Die bei der Chemikaliendosierung verwendeten Schlammkonditionierer verhindern, dass sich diese Feststoffe auf Metalloberflächen ablagern und halten sie in Suspension.
  • Bei hohen Drücken und Temperaturen kann Siliziumdioxid ein echtes Problem darstellen, da es sich mit den metallischen Heizflächen verbinden und Überhitzungsstellen verursachen kann. Spezielle synthetische Polymere können dieses Problem verhindern.
  • Von besonderer Bedeutung sind die Alkalinitätswerte im Kessel, die durch die Zugabe von Natriumhydroxid gesteuert werden.
    Die Einhaltung eines pH-Wertes zwischen 10,5 - 12 verhindert Korrosionsprobleme, indem stabile Bedingungen für die Bildung eines Magnetitfilms (Fe3O4) in einer dünnen, dichten Schicht auf den Metalloberflächen geschaffen werden, die sie vor korrosiven Angriffen schützen.

Chemikalien, die während der Konditionierung hinzugefügt werden, erhöhen den Gesamtsalzgehalt (TDS) im Kesselwasser und erfordern eine höhere Abschlammrate.